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Da Führen und Sich-Führen-Lassen, da Beeinflussen und Sich-Beeinflussen-Lassen in einer Gemeinschaft essenziell Gleichrangiger wirklich das A und O kollektiver Intelligenz ist, und da es, wie ich zum Schluss des dritten Blog-Posts resümierte, nirgendwo so wie auf uns als Person ankommt (Tango!), möchte ich diese Blogreihe (vielleicht die letzte, die auf den Erkenntnissen von Tough Love basiert) nicht beschließen, ohne ein paar einfache und saftige Fragen zur Selbstkenntnis zu hinterlassen …

Fragen zur Selbstkenntnis: Ich im Team

Wie geht es mir insgesamt damit, ein Mitglied einer Gruppe von Gleich­rangigen zu sein? Was schätze ich daran am meisten, was finde ich am schwersten zu ertragen?

Was ist meine ‚Strategie‘, mich in eine Gruppe von Peers einzupassen? Gehe ich sofort frontal nach vorne? Warte ich erst ab und beobachte, was andere mache, bevor ich nach vorne gehe? Suche ich die Lücke und gehe dann nach vorn, wenn etwas gebraucht wird, was ich ge­ben kann, andere aber offenbar nicht? Bleibe ich grundsätzlich gerne im Hintergrund und versuche über persönliche Beziehungen Einfluss auszuüben? Oder bin ich einfach ich und der Rest ist mir eigentlich wurscht?

Bin ich, was mein Geschlecht angeht, in meiner Gleichrangigen-­Gruppe in der Mehr- oder in der Minderheit, und wie geht es mir damit? Wie ist das analog hierzu in Bezug auf meinen kulturellen Hintergrund, meine Altersgruppe, meine sexuelle Orientierung etc.?

Welche Kultur des Umgangs mit Minderheiten herrscht in meiner Gruppe, und wer repräsentiert diese Kultur besonders? Welchen Raum haben Diversität und Nonkonformismus? Wie bewege ich mich in dieser Kultur?

Wie geht es mir insgesamt mit meinen Rollenbeziehungen zu den einzelnen Mitgliedern des Teams? Wie, finde ich, arbeiten wir mitei­nander? Wie steht es da mit dem Geben und Nehmen?

Von wem im Team bin ich in meiner Rolle besonders abhängig, wer ist es von mir? Sind diese Abhängigkeiten über die Zeit hinweg einigermaßen ausgegli­chen?

Welche ‚subtileren‘ Rangunterschiede gibt es zwischen uns, in Bezug auf etwa Seniorität, Expertise, Zugang, Repräsentanz? Wie kann und muss ich die berücksichtigen, wenn es darum geht, die anderen zu beeinflussen?

Welche offenen oder verdeckten Konkurrenzen zwischen uns gibt es? Von welchen bin ich ein Teil, und in Bezug auf was oder wen kon­kurrieren wir, mit welchen Mitteln? Welche Kultur des Umgangs mit Konkurrenz gibt es bei uns? Wie bewege ich mich in ihr?

Wie geht es mir insgesamt mit meinen persönlichen Beziehungen zu meinen Gleichrangigen? Wie wichtig sind sie mir? Welche Unter­schiede gibt es da? Wie verhalten die sich zu unseren unpersönlichen Abhängigkeiten und Konkurrenzen?

Wie ist die öffentliche Arena beschaffen, in der wir zusammenkom­men? Was ist dort erwünscht, was ist dort nicht gerne gesehen, was ist absolut tabu? Wer bewacht all das, auch wenn der Chef nicht da­bei ist? Mit welchem offenen oder stillen Mandat?

Wie ist in Zusammenhang mit alldem das allgemeine Niveau von gegenseitigem Respekt und Vertrauen bei uns? Wie leicht oder schwer macht das uns, andere zu beeinflussen und sich von anderen beein­flussen zu lassen? Gibt es einige, die mehr Einfluss auf andere aus­zuüben scheinen als andere, und wodurch wird das möglich?

Von wem lasse ich mich mehr als von anderen beeinflussen? Welche persönlichen und unpersönlichen Bewandtnisse hat das? Was öffnet meine Türen?

Was bedeutet es für mich, wenn ich merke oder rückgemeldet be­komme, dass ich andere beeinflusst habe? In welcher Beziehung steht das zu den Absichten, die ich verfolge?

Wenn ich Mehrheiten habe herstellen können, selbst flüchtige – wie berührt mich das? Wie gehe ich mit den Minderheiten um, die bei so etwas notwendigerweise entstehen? Wo sind die Grenzen meiner Em­pathie mit den andern?

Wie berührt es mich, und wie gehe ich dann mit dem um, wenn ich mit meinen Ideen und Vorschlägen und Sichtweisen nicht durch­komme? Wenn ich nicht zur Kenntnis genommen werde? Nicht ver­standen werde? Kritisiert werde? Lächerlich gemacht oder herabge­würdigt werde? Wie verarbeite ich den Schmerz und die Frustration, die das beinhaltet, und welche Folgen hat das wiederum für mein Verhalten – für meine Versuche, meinen Einfluss auf die andren weiter zu versuchen? Oder eben andere, teilweise heikle Wege zu ge­hen – etwa jene zu beeinflussen, welche die anderen beeinflussen … oder doch lieber einfach Feierabend machen und Tennis spielen ge­hen.

Was muss ich erfahren, oder was muss sich an Erfahrungen summie­ren, dass ich innerlich aufgebe? Was sorgt dafür, dass ich es nicht tue?

Und jetzt kommen Sie.

 

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© Rainer Molzahn

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