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Ihr Chef ist Ihre wichtigste Arbeitsbeziehung. Ihn oder sie unaufdringlich, aber wirkungsvoll zu beeinflussen, ist für Sie essenziell - und die Konkurrenz schläft nicht. Was öffnet also die Tür? Ich möchte an dieser Stelle noch weniger als anderswo irgendwelche flotten Patentrezepte verkaufen, aber die folgenden Punkte sind bedenkenswert …

Respekt und Vertrauen

Dies wird hoffentlich jetzt niemanden mehr wirklich überraschen, und trotzdem möchte ich es nochmals betonen: Bosse sind auch Menschen. Sie werden durch dieselben Dinge bewegt wie der Rest von uns. Seien Sie unbedingt vorsichtig, mehr und anderes in höhere Rangbesetzer hineinzuprojizieren als dies. Auch Ihr Chef lässt sich am liebsten von denen beeinflussen, vor denen er professionellen Respekt hat und die er als Personen vertrauenswürdig findet. Wenn Sie also Ihren eigenen (Führungs-)Job gut machen, wenn Sie ihren Laden im Griff haben, nicht alle naslang Zeugs an ihn eskalieren und generell nicht ständig seine Aufmerksamkeit brauchen, ist das schon mal gut in der Respekt-Abteilung. Das mit dem Vertrauen ist natürlich wie immer etwas diffiziler.

Loyalität und Einfluss 

Als Führungskraft ist man tendenziell ein bisschen paranoid. Das ist keine persönliche Voraussetzung für die Führung, aber es ist so eine Art Berufskrankheit, ein eingebautes Verderbnis der Rolle. Ihre Folgen werden spürbarer und pathologischer, je höher die Ebene ist, auf der man führt. Ihre berühmtesten Opfer sind denn natürlich auch unsere großen Despoten und Alleinherrscher. (Den zu Grunde liegenden Mechanismus habe ich in ‚Die heiligen Kühe …‘ näher ausgeführt. Er ist auch in diesem Blogartikel in all seiner Dramatik beschrieben.)

Aber ganz so hoch müssen wir gar nicht klettern, ganz so tief müssen wir uns gar nicht abseilen, um mit ein bisschen Empathie zu verstehen, wie es einem als Führungskraft geht: Wie gut kann ich mich wirklich auf meine Leute verlassen? Woher weiß ich wirklich, dass sie mich nicht bei der nächsten Gelegenheit schlecht aussehen lassen? Sagen tut mir natürlich keiner was, aber das heißt überhaupt nichts. Wer wechselt einfach die Seite? Wer steht mir nicht zur Seite, wenn ich Wind von vorne bekomme? Wer wirft mir auf einmal den Fehdehandschuh entgegen? Alles Mögliche kann passieren, und das tut es auch: Verraten und Hintergehen und Verkaufen. Man muss überhaupt nicht paranoid sein dafür. Man wird es aber fast unausweichlich. Gerade fällt mir Willi Brandt ein, der eines Tages entdecken musste, dass sein langjähriger Vertrauter und enger Mitarbeiter Günter Guillaume ihn über Jahre hinweg im Auftrag der DDR bespitzelt und verraten hatte. Wem soll man da noch glauben und vertrauen? Je höher die Hierarchieebene, die man erklimmt, desto unheimlicher wird diese Geisterbahn.

Das ist der Grund dafür, dass Führende dazu neigen, die Leute, die Mannschaften in neue Verantwortungen mitzunehmen, zu denen sie schon langjährige Vertrauensbeziehungen unterhalten, deren Loyalität sie so sicher sind, wie man sich eben sicher sein kann. Wann man also ein Mitglied dieses inneren Zirkels von Vertrauten ist, dann kann man zum Teil erheblichen Einfluss auf seinen Boss ausüben, ohne dass sich dabei jedes Mal das Verratsgespenst erhebt. Ein in unterrichteten Kreisen legendäres, in der breiten Öffentlichkeit so gut wie unbekanntes Beispiel hierfür ist Frau Baumann. Dem politischen Endverbraucher sagt dieser Name gar nichts, aber unter den Initiierten kurieren solche Medizinnamen wie „Alter Ego, Rasputina, Königskobra, Zerbera … “. Viele sagen, sie sei die „zweitmächtigste Frau Deutschlands“. Beate Baumann ist die Büroleiterin (Rolle) und engste Vertraute (Person) von Angela Merkel. Niemand hat auch nur annähernd so viel Einfluss auf die Bundeskanzlerin wie Frau Baumann, die selbst konsequent im Schatten bleibt. Frau Baumann ist die einzige Person, von der berichtet wird, dass sie Frau Merkel in einer öffentlichen Situation kritisiert hätte, und Frau Merkel hätte das ohne Murren geschluckt. Der Schlüssel, den Frau Baumann hat und der die Tür des Einflusses so weit öffnet, ist ihre unbedingte Loyalität. Sie hat keinerlei politischen Ehrgeiz für sich selbst, sie konkurriert also prinzipiell nicht mit ihrer Chefin. Sie hält sich stets im Hintergrund und gibt keine eigenen Interviews. Der einzige Kanal, durch den ihre Stimme hörbar wird, ist die Stimme ihrer Chefin, und niemand kann abschätzen, wer genau da welchen Anteil an der Melodieführung hat. Mehr Einfluss über den eigenen Boss kann man wohl nicht haben. Die Gefahr für jeden Chef, der seine eigene Truppe überallhin mit sich nimmt, liegt ja darin, dass man eine Gruppe von uniformen Jasagern um sich versammelt, die ständig in die Hände klatschen und alles großartig finden. Desto wichtiger werden einem dann Leute, die eigene Standpunkte einnehmen und eigene Bewertungen vornehmen können, ohne einen zu verraten oder grundlegend in Frage zu stellen oder eben auch nur mit einem selbst zu konkurrieren. Die Bedingung für diesen Einfluss ist aber dann der Verzicht auf jede eigene Sichtbarkeit. Jedenfalls einstweilen …

Übrigens arbeiten Angela Merkel und Beate Baumann nach dem Ende der Kanzler*innenschaft aktuell zusammen an der Biographie. Wenn das kein Zeichen für eine starke Beziehung ist ... 

 

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