Nachdem ich im vorigen Teil dieser Blogreihe „kurz, bündig und praxisorientiert“ die Implikationen der Führungsbeziehung M>m (ein Mann führt einen Mann) beschrieben habe, will ich mich heute einem weiteren Beziehungsarchetyp widmen:

Wenn Sie Chef einer Mitarbeiterin sind

Die helle Seite: Dies ist das traditionelle Erfolgsrezept vieler traditioneller Arbeitsbeziehun­gen zwischen traditionell orientierten Menschen. Die Unterschiede ergänzen sich friedvoll und vertrauensvoll, es gibt keine Konkurrenz, sondern oft eine gewisse Fürsorge, besonders von der rangniedrigeren Frau für ihren Chef, manchmal aber auch beidseitig. Viele Frauen je­denfalls haben kein Problem damit, in den Augen der Welt nicht an erster Stelle zu stehen, nicht im Rampenlicht öffentlicher Belobhudelung oder Vernichtung. Besonders erfolgreich sind solche Bezie­hungen in der Regel dann, wenn die Frau dem Mann eine klare und direktive Ratgeberin darin ist, wie der mit Beziehungsangelegenheiten umgehen soll. Wir sind dem schon begeg­net: manchmal sind solche Beziehungen länger andauernd und fruchtbarer als die zwischen dem Chef und seiner offiziell Angetrauten.

Worauf Sie achten sollten: Alles dreht sich um Sie, auch Ihre Mitarbeiterin. Das verführt dazu, aus den Augen zu verlieren, dass Ihre Mitarbeiterin nicht nur da ist, um Ihnen das Leben leichter zu machen –sie hat ihre eigenen Ziele, Interessen und Entwicklungswünsche, sucht und braucht ihre eigenen Gestaltungsräume. Sie vertritt diese Dinge aber vor Ihnen vielleicht nicht sehr fordernd, grenzt sich von Ihren Prioritäten nicht wirklich ab. Finden Sie heraus, wie Sie sie fördern können! Stellen Sie Fragen!

Die dunkle Seite für die Frau: Bei aller Hingabe und Loyalität kann es sein, dass Ihre Mitar­beiterin unter Ihnen leidet, und Sie haben keine Ahnung wie sehr. All die guten Ratschläge, die sie Ihnen gibt, kann sie Ihnen nicht geben auf sich selbst bezogen. Und also besteht die Möglichkeit, dass sie sich belächelt fühlt und abgewertet, wenn sie Emotionen zeigt. Dass sie gequält lächelnd Wut unterdrückt, wenn Sie mal einen kleinen sexistischen Spaß machen, oder Ärgeres. Dass sie zu wenig Erlaubnis und Ermutigung bekommt in ihrer eigenen Bezie­hungsarbeit, mit Ihnen und anderen.

Die dunkle Seite für Sie: Sie bekommen so viel loyale Unterstützung, dass Sie sie für selbstverständlich, ja für Ihr gutes Recht halten. Sie sind daran gewöhnt, jederzeit alles erwarten zu können. Das Signalspiel ist: Sie spielen Hochstatus, Ihre Mitarbeiterin Nied­rigstatus - sie ist viel eher bereit an sich zu zweifeln als an Ihnen, jedenfalls öffentlich. Ganz privat für sich mag sie sehr anders darüber denken, aber vielleicht spielt sie das Spiel länger mit, als ihr selbst guttut. Sie werden also im Allgemeinen bestätigt in Ihrer Selbstwahrneh­mung, und in Ihren Meinungen über andere. Sie fühlen sich gestärkt und unterstützt und manchmal gebauchpinselt. Nichts zwingt sie, sich selbst in Frage zu stellen. Sie werden zum Pascha, zu dick, zu verwöhnt, abhängig und manipulierbar – letztlich zu dumm.

Die Tough-Love-Frage: Können Sie einen Gesprächsraum für Sie und ihre Mitarbeiterin schaffen – und halten – in dem es möglich ist zu erörtern, wie Sie Ihrer loyalen Unterstützerin noch mehr Gestaltungs- und Beziehungsräume gestatten können? Die Früchte sind süß …

 

Dies alles und noch viel mehr steht natürlich in Tough Love.

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Nächstes Mal mehr zur Gender-sensitiven Führung unter der Perspektive W>m

 

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