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In dieser Blogreihe auf der Basis von ‚Die heiligen Kühe‘ will ich unter praktischen Gesichtspunkten (nämlich bezogen auf das Hier und Jetzt einer Gruppensituation) einige Hinweise geben, wie wir mit kultureller Kompetenz solche Situationen analysieren und mit ihnen arbeiten können. Beginnen möchte ich in diesem 1. Teil mit

Das Gruppenfeld wahrnehmen

Es geht hier also noch gar nicht darum, irgendetwas zu tun, sondern die eigene Wahrnehmung und Interpretation von Gruppensituationen und Gruppenprozessen zu schulen. Damit was auch immer wir tun oder lassen auf dem Fundament belastbarer sinnlicher Wahrnehmungen steht.

Atmosphäre

Ist sie frostig oder erhitzt, gelähmt oder agitiert, nüchtern oder belebt, gespenstisch oder heiter? Wann ändert sie sich, und wodurch? Die Atmosphäre ist das verdichtete, verdunstete Substrat des Feldes, in ihr, ihren Base und Top Notes (um in der Sprache der Parfümerie zu sprechen) ist alles enthalten. So duftet das kulturelle Feld.Ist sie frostig oder erhitzt, gelähmt oder agitiert, nüchtern oder belebt, gespenstisch oder heiter? Wann ändert sie sich, und wodurch? Die Atmosphäre ist das verdichtete, verdunstete Substrat des Feldes, in ihr, ihren Base und Top Notes (um in der Sprache der Parfümerie zu sprechen) ist alles enthalten. So duftet das kulturelle Feld.

Kommunikationsstil

Wie ist der vorherrschende Jargon, durch welche sprachlichen Symbole der Gleichheit zeichnet er sich aus? Wie beziehen sich die Sprechenden in ihren Beiträgen aufeinander? Welche Verdinglichungen und Verallgemeinerungen kommen besonders häufig vor?

Teilhabe

Wer spricht viel, wer wenig, wer dominiert und wie? Wer passt sich an? Wer nimmt überhaupt nicht teil? Wer fehlt?

Beziehungen

Welche offenen oder verdeckten sprachlichen Beziehungssignale gibt es? Wie werden sie formuliert oder verklausuliert, und in welchem Ton? Wie wird auf sie reagiert? Welche nonverbalen Beziehungssignale gibt es, besonders hinsichtlich Rang und Macht, und wie werden sie beantwortet? Wie konstellieren sich Abhängigkeiten und Loyalitäten, wer konkurriert mit wem um was? Ist die sich entfaltende Dynamik bipolar oder multipolar, und wer repräsentiert die Pole? In Zusammenhang mit Beziehungen besonders wichtig:

Inkongruenzen

Welche Beziehung besteht zwischen Gesagtem und Gezeigtem? Gibt es da Unterschiede, die einen Unterschied machen? Welchen? Dazwischen liegt eine Grenze! Welche Wirkung hat die Inkongruenz beim Empfänger? Auf was reagiert er oder sie, und womit?

Grenzsignale

Umständliches Herumreden, Tilgungen des sprechenden und des Adressaten, wolkige Formulierungen, Häufungen von Passiv oder ‚man’. Stammeln, Stocken oder unvollständige Sätze. Veränderungen der Hautfärbung, unwillkürliche Bewegungen, stockender Atem, Verstummen. Abbrechen oder Vermeiden des Blickkontakts...

Heiße Grenzen

Plötzliche Themenwechsel, Ablenken, Rechtfertigungen, Angriffe, Witze reißen, peinliche Stille. Starke Gefühle, Lähmung, alle stehen im Nebel, drängende Zurechtweisungen. Schweißgeruch. Wie wird damit umgegangen? Sagt jemand was?

Fußtruppen des Mythos

Wer stellt allgemeingültige Normen und Werte in den Raum oder zitiert sie? Woraufhin? Welche sind das? Werden mythische Gestalten genannt? Wie ist die Reaktion darauf?

Kommunionsstil

Mit welchen Ritualen (auch kleine Dinge) und Redundanzen feiert und bestätigt sich die Gruppe? Wer sorgt und steht dafür? Was ist so selbstverständlich, dass niemand auf die Idee käme, es überhaupt zu erwähnen?

Führerschaft

Wer beeinflusst wen und wie? Argumentieren, überzeugen, anordnen, appellieren, fragen oder zuhören? Mit welchen Rangsignalen? Wer spricht aus Verantwortung für das Ganze, sorgt für Ziel, Orientierung und klare Verhältnisse? Wie? Wer gibt anderen offene Rückmeldung?

Ältestenschaft

Wer spricht stimmig und uneigennützig für die Gemeinschaft? Wer vermag sich in unterschiedliche Positionen hineinzuversetzen? Wer geht auf Minderheiten oder unterlegene Parteien zu und versucht, sie zu integrieren? Wer hat die größten Ohren, kann am besten zuhören und aufnehmen? Wer enthält sich kongruent polarisierender Bewertungen?

Pausen

Es ist wie mit diesen Wahrnehmungsspielen, in denen man das Muster nicht erkennt, wenn man zu spät anfängt oder zu früh aufhört hinzugucken: Stellen Sie erst recht alle Sinneskanäle auf Empfang, wenn es in die Pause geht, denn jetzt können Sie das kulturelle Feld in seinem homöostatischen Prozess beobachten. Ausschnittsweise natürlich, denn das Plenum ist ja vorübergehend aufgehoben, man verteilt sich, und Sie können nicht überall sein. Falls Vertriebler unter Ihnen sind, sind sie natürlich alle am Telefon. Wer steht zusammen und spricht? Welche Themen können Sie aufschnappen, was beschäftigt die Leute? Alles, was jetzt ausgetauscht wird, hatte aus irgendwelchen Gründen im Plenum keinen Raum, es können wichtige Dinge darunter sein. Achten Sie auch jetzt, während über Dritte und Drittes geredet wird, auf Beziehungssignale.

Spalter

Welche Unterschiede gibt es zwischen den Pausengesprächen und dem, was im Plenum ausgedrückt wird? Welche sind besonders hervorstechend? Phantasieren Sie. Was würde wohl passieren, trügen Sie das in den öffentlichen Raum?

 

All dies und noch viel mehr steht natürlich auch in ‚die heiligen Kühe‘.

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