In den ersten drei Teilen der Blogreihe ‚Beziehungen in einer globalisierten Welt‘ habe ich mich nacheinander unserer weltweiten gegenseitigen Abhängigkeit, unserer weltweiten gegenseitigen Konkurrenz und dem gleichsam überpersönlichen Wert von Beziehungen überhaupt unter den Vorzeichen der Globalisierung gewidmet. Diesmal soll es um Beziehungen gehen, die uns alle auf höchst persönliche Weise betreffen:

Männer und Frauen

Die Beziehungen zwischen den Geschlechtern, die weltweite Auseinandersetzung um ihre jeweilige Teilhabe an den Gestaltungsprozessen in Wirtschaft und Politik und am öffentlichen Leben insgesamt, der Kampf der Frauen um ihre Gleichrangigkeit in allen Lebensfragen: einige sagen, das ist der eigentliche Dritte Weltkrieg. Ich bin damit nicht ganz einverstanden, denn Männer und Frauen sind so offensichtlich schicksalhaft voneinander abhängig, dass keine Seite wirklich Krieg führen könnte gegen die andere. Sicher ist diese Auseinandersetzung aber der feuerrote Faden durch einige der explosivsten Konflikte zwischen den Menschen, die im Moment diesen Planeten rocken. Er ist im Zentrum dessen, was den fundamentalistischen Islam am krassesten von der abendländischen Werteordnung unterscheidet. Er bedroht weltweit die gesellschaftliche Dominanz des Mannes über die andere Hälfte der Menschheit, und zwar über neunundneunzig Prozent aller Kulturen hinweg.

 

Die bizarrsten Extreme dieser Polarität bekommen wir (im Moment, während ich dies schreibe) mit als Zeugen und Stakeholder der Entführung von Hunderten von Schulmädchen durch Boko Haram in Nigeria, offenbar eine der Heldenbastionen der islamischen Männlichkeit in Zentralafrika. Mit dem Ziel: kein Mädchen darf lesen und schreiben lernen. Ogottogott, denken Sie vielleicht jetzt, wie mittelalterlich – aber bevor hier jetzt Skol gesagt wird, meine Herren: es gibt wenig Anlass zur Selbstzufriedenheit in unseren eher gemäßigten Breiten: Die Arabischen Emirate haben in Führungspositionen eine höhere Frauenquote als Deutschland. In keiner anderen Wirtschaftsnation gibt es weniger Frauen in Führungspositionen als in diesem  unseren Land. Hallo?

 

Welcher der Herren tritt offensiv und verletzbar dafür ein, dass die andere Hälfte der Menschheit die Hälfte des Himmels trägt, und schon deswegen den gleichen Einfluss und denselben Rang haben muss? Wer fordert zum egalitären Tango auf?

 

All das und mehr steht natürlich auch in Tough Love.

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© Rainer Molzahn

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