Diese Frage kommt oft auf, besonders natürlich in der Arbeit mit Nachwuchsführungskräften. Wenn man beginnt, ist man ja noch sehr damit beschäftigt, die Rolle zu erlernen und den Erwartungen zu genügen, die andere an den Inhaber dieser Rolle haben.

Es gibt auch Antworten auf diese Frage. Zuhauf sogar, denn viele fühlen sich ja berufen, dazu Autoritatives von sich zu geben: die üblichen verdächtigen Management-Gurus, aber natürlich auch Mentoren, Trainer, Motivationsexperten und Bergsteiger.

Eine Antwort wird allerdings selten gegeben (wenn überhaupt jemals, ich check das auch nicht jede Woche ab):

 

Was eine gute Führungskraft ausmacht, ist, dass sie gute Führungsbeziehungen herstellt. Das ist an sich überhaupt nichts Sensationelles, und das Talent dafür ist auch nicht auf wenige Berufene beschränkt, sondern es haben die meisten von uns. Vielleicht wird es auch deswegen so selten genannt.
Wodurch sich eine solche Beziehung auszeichnet (Respekt und Vertrauen, Gegenseitigkeit auf der Grundlage gemeinsamer Abhängigkeit), darüber habe ich in den letzten Beiträgen schon geschrieben. Heute will ich dem noch einige kurze Erläuterungen hinzufügen, die im weiteren Sinne für alle Beziehungen gelten, nicht nur für die ‚formellen‘ Führungsbeziehungen. Denn was ist Führung, wenn nicht eine Beziehung …
Was also macht eine gute Beziehung aus?

 

Sich interessieren.

Sich für den Anderen in seiner Tätigkeit interessieren und als Person. Wann haben wir das Gefühl, dass sich jemand für uns interessiert? Dass wir ihm nicht vollkommen egal sind und er nur auf uns zukommt, wenn er was von uns will? Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber bei mir ist das ganz simpel: wenn mich jemand fragt. Wie es mir gerade mit meiner XY-Aufgabe geht, wie ich mit meinem Business Case vorankomme, ob sich die Missverständnisse mit Schnittstelle YZ aufgeklärt haben, ob das Meeting zu Thema ZX irgendwas vorangebracht hat. Wie es mit dem Jüngsten in dessen Praktikum läuft, ob die Tochter schon die Führerscheinprüfung gemacht hat, ob ich auch so enttäuscht über die Leistung von Schalke 05 war. Solche Sachen.


Sich unterstützen.

Gemeinsame und wechselseitige Abhängigkeit hat zur Folge, dass man zusammenarbeiten muss. Das heißt auch, dass ich erfolgreich sein werde, wenn der Andere erfolgreich ist. Insbesondere gilt das für die Beziehung zwischen Chef und Mitarbeiter. Mein Mitarbeiter kann seine Ziele nur erreichen, wenn er von mir mit den dafür notwendigen Ressourcen ausgestattet ist und meine Rückendeckung dafür hat, sich diesen Aufgaben auch zu widmen. Und ich kann meine Ziele nur erreichen, wenn mein Mitarbeiter seine Arbeit macht.


Sich verlassen können.

Erwartungen an einen anderen Menschen zu haben, der einem wichtig ist, und mit dem man eine Beziehung hat, die einem wichtig ist, das ist wahrscheinlich ein wesentlicher Aspekt von dem, was eine Beziehung überhaupt ausmacht. Im Umkehrschluss: keine Erwartungen in jemanden zu haben, heißt eigentlich, keine Beziehung zu ihm zu haben. Denn es bedeutet ja implizit, dass der andere tun oder lassen kann, was er will, dass es mich so oder so nicht berührt. Da ist die Grauzone zwischen unbedingter Liebe und völliger Wurstigkeit sehr groß, und sehr grau. Niemand von uns sollte sich dafür schämen müssen, Erwartungen in andere zu setzen.
Dies gilt insbesondere für unsere Beziehungen mit anderen, von denen wir abhängig sind, und die von uns abhängig sind, weil wir gemeinsam etwas erreichen müssen, was wir nicht alleine erreichen können. Wir dürfen nicht nur, wir müssen sogar Erwartungen aneinander haben. Wir müssen uns jeweils klar darüber sein, welche das sind, und es ist noch besser, wenn der andere unsere Erwartungen auch kennt, und es ist der Hammer, wenn diese Erwartungen jeweils geprüft und für realistisch befunden und gemeinsam vereinbart sind. Ein solches ‚Erwartungsmanagement‘ ist ein wichtiger Teil der gesamten Beziehungsarbeit, zu der Sie als Führungskraft aufgerufen sind, und zwar als ein offener und fortdauernder Prozess.

Wenn Sie mehr darüber wissen wollen, was eine gute Führungskraft auszeichnet: es steht in Tough Love.


Nächstes Mal mehr zu dem, was in Beziehungen wichtig ist.

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