breaking news from the edge

Im ersten Teil dieser Blogreihe habe ich darüber gesprochen, warum es wichtig und im Sinne der kulturellen Kompetenz erkenntnisreich ist, das Gruppenfeld in Aktion, im Hier und Jetzt, differenziert zu beobachten – egal, in welcher Rolle. Diesmal möchte ich einen Schritt weiter gehen: es soll es darum gehen, wie sie, liebe Leser*in, mit kultureller Kompetenz Ihren Einfluss geltend machen können. Es geht um

Führen

Das machen Sie natürlich sowieso, und wenn Sie Führungskraft sind, ist es ja geradezu Ihr Auftrag. Aber es geht an dieser Stelle nicht um die Sachebene, sondern darum, wie Sie mit ihrem Handeln auf das kulturelle Feld, von dem Sie ein Teil sind, Einfluss nehmen. Hierbei spielen wieder die beiden Aspekte, was Sie tun und wie Sie tun, was Sie tun, die entscheidende Rolle.

In Ihrer Führungsfunktion tragen Sie Verantwortung für Ihre Mitarbeitenden und Ihren Kompetenzbereich und müssen für Ziele, Orientierung und klare Verhältnisse sorgen. Wenn Sie sich dabei nicht nur für die Sachebene verantwortlich fühlen, sondern auch für die Kultur der Zusammenarbeit, dann praktizieren Sie Führerschaft.

Unter Führerschaft verstehen wir die Fähigkeit, im öffentlichen Raum mit den eigenen Wahrnehmungen, Haltungen und Einstellungen Position zu beziehen, bewusst auf das zu antworten, was im Hier und Jetzt geschieht, die darauf unvermeidlich folgenden Auseinandersetzungen zu führen und Veränderungsprozesse in Gang zu setzen. Diese Fähigkeit wächst, umso mehr wir uns aus der Gemeinschaftstrance, aus emotionaler Abhängigkeit von unbedingter Zugehörigkeit, Zustimmung und Anerkennung lösen, uns mit unseren Selbstzweifeln auseinandersetzen und innere Sicherheit entwickeln.

Solcherart Führerschaft bedeutet, dass wir durch unsere formale Rolle hindurch als Person sichtbar werden. Dabei nehmen wir das Wagnis auf uns, in die Rolle des Täters gedrängt zu werden, wenn wir Dinge aussprechen oder aufdecken, die unsere Mitarbeitenden oder Kollegen nicht gerne zur Kenntnis nehmen wollen. Das wiederum ist sowieso das Risiko, das wir auf uns nehmen, wenn wir eine Führungsposition innehaben. Jede Führungskraft setzt sich in ihrer privaten Sphäre damit auseinander, welche Macht sie hat und wie sie damit umgehen soll. Weil unser öffentlicher Raum aber ist, wie er ist, müssen wir, sobald wir im obigen Sinne persönlich werden (uns also nicht länger hinter der Sache verstecken) damit rechnen, kritisiert zu werden. Solange die äußeren Kritiker in unseren inneren kritischen Stimmen ihren Widerhall finden, gehen wir durch Gefühle von Macht und Ohnmacht. Denn die Anderen reagieren, wie wir wissen, nicht nur darauf, was wir sagen, sondern auch wie wir es tun, also welche Bewertungen und Rangsignale wir darin zum Ausdruck bringen, ohne dass uns diese unbedingt bewusst sind. Sobald wir also damit beginnen, nach vorne zu treten, werden die äußeren Kritiker auf den Plan gerufen und zeigen uns die Grenzen unserer Macht und unseres Einflusses deutlich auf. Damit haben wir aber auch die Chance, diese Kritiker in uns selbst zu entdecken und zu transformieren. Auf diese Weise lösen wir uns nach und nach aus Verstrickungen, werden unabhängiger und bekommen einen klareren Blick auf das, was vor sich geht. Unsere Führungspersönlichkeit entwickelt sich weiter. Wir lassen weniger mit uns machen, setzen eindeutigere Grenzen, nehmen bewusster Einfluss, werden eindeutiger in dem, was wir wollen und was nicht, und können zuerst unsere Mitarbeitenden und später auch unsere Kollegen auffordern und unterstützen, bewusster mit ihrem Einfluss umzugehen und klarer zu kommunizieren.

Der Kritiker ist die Figur des kulturellen Feldes, die immer dann aktiv wird, wenn etwas geschieht, das den Status quo in Frage stellt. Als innere Stimme bewacht er unsere persönliche Identität, als Kritik gegenüber anderen bewacht er die Identität unserer öffentlichen Räume und unserer Rollen. Über seinen spezifischen Charakter, seine Waffen und seine mythologischen Wurzeln habe an anderer Stelle  geschrieben. Wie wir ihn konfrontieren und letztlich transformieren können, darauf komme ich in einer der nächsten Blogreihen zurück …


All dies und noch viel mehr steht natürlich auch in ‚Die heiligen Kühe‘.

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